Leseprobe 3

 

Die Kunst des Spiegelns

 

Es war einmal ein kleiner Hund, der kam zu einem Schloss voller Spiegel. Misstrauisch und skeptisch betrat er es und erschrak ganz fürchterlich, als ihm aus allen Spiegeln lauter grimmig dreinblickende Hunde entgegen blickten. Jaulend lief er davon.

 

Ein anderer Hund kam ebenfalls zu dem Schloss voller Spiegel, er freute sich darauf, etwas Neues zu entdecken und wedelte voller Vorfreude fröhlich mit dem Schwanz. Welches Spiegelbild empfing ihn wohl?

 

(Quelle: Gehört von Nikolaus Enkelmann und frei nacherzählt)

 

„So wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“, sagt ein altes Sprichwort, doch meist merken wir nicht, dass die Reaktion unseres Gesprächspartners häufig unbewusst durch uns selbst ausgelöst wurde. Schnell behilft man sich mit einer Abwertung wie „der ist eben schwer von Begriff“, „arrogant“ oder „ungeduldig“. Durch die Technik des Spiegelns kann der Berater seinen Anteil an der Reaktion des Partners erkennen.

 

Wichtig ist, dass der Coach beim Spiegeln zwei Grundsätze beherzigt:

  1. Der Coachee verfolgt keine böse Absicht, sondern Missverständnisse passieren ständig.
  2. Die Aufgabe des Coach ist Bewusst-Machen, nicht „Vorführen“.

 

1. Direktes Spiegeln

 

Diese Technik eignet sich insbesondere, wenn Sie bestimmte Aussagen oder Verhaltensweisen des Coachees einfach wiederholen und den Coachee bitten, sie zu interpretieren. Der Coachee hört mit der Distanz des zeitlichen Abstands seine eigenen Worte und kann sie auf sich wirken lassen. Der Spiegel wird ihm direkt vorgehalten.

 

Beispiel

Coach: „Da war diese Situation, als die Kundin sagte, sie wolle keine Lebensversicherung und Sie sagten: ‚Was haben Sie denn dagegen? Die braucht doch jeder in der heutigen Zeit.’ – kurze Pause - Wir wirkt das im nachhinein auf Sie?“

 

Coachee: „Ja, wenn ich das jetzt so höre, vielleicht ein bisschen forsch und es klingt auch ein wenig besserwisserisch - oder?“

 

Coach: „Ehrlich gesagt, ja. Auch wenn das nicht Ihre Absicht war. Was passiert, wenn Sie so vorgehen? Was muss die Kundin tun?“

 

Coachee: „Sie muss sich verteidigen. Sie sagte ja auch daraufhin: ‚Lassen Sie mich bloß in Frieden damit. Daran verdienen doch nur Sie, mit riesigen Provisionen und die Rendite ist ein Witz.’ Da kam sie ganz schön in Fahrt.“

 

Coach: „Genau und das können Sie vermeiden. Wie hätten Sie stattdessen reagieren können?“ .... (erarbeiten Sie gemeinsam mit dem Coachee verschiedene Alternativen.)

 

(aus: Kapitel 4 Nützliche Coachinginstrumente, 4.3 Die Kunst des Spiegelns, S.89ff)

 

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