Glück und Gehirn

 

In den letzten Jahren hat die Gehirnforschung zahlreiche, bahnbrechende Erkenntnisse über die Funktionsweise unseres Gehirnes gewonnen. Vieles davon ist außerordentlich spannend hinsichtlich seiner Bedeutung für die Bereiche Lernen, Führung und Motivation. Denn sobald wir die Prozesse in unserem Gehirn bewusster verstehen, können wir dieses faszinierende Organ besser nutzen: vom "Gehirnbesitzer zum Gehirnbenutzer", forderte schon vor vielen Jahren die Kommunikationstrainerin Vera F. Birkenbihl.

 

Nach dem Flow-Gefühl und den Wegen dorthin, die wir im Newsletter 18 beschrieben haben, wollen wir uns diesmal dem Stoff widmen, der uns antreibt, dem Dopamin. Es handelt sich um einen der wichtigsten Botenstoffe (Neurotransmitter) zwischen unseren grauen Zellen (Neuronen), er ist zuständig für unser "Motivationssystem". In seinem Buch "Die Glücksformel" hat Stefan Klein die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst und uns zu folgenden Tipps angeregt:

 

Klein beschreibt den Luststoff folgendermaßen: So unscheinbar das Molekül Dopamin sein mag - im Gehirn wirkt es als ein wahrer Tausendsassa. Es ist daran beteiligt, unsere Wachheit zu steuern und die Aufmerksamkeit zu lenken. Es steigert Neugierde, Lernvermögen und Phantasie, Kreativität und Lust auf Sex. Denn das Gehirn schüttet diesen Botenstoff immer dann aus, wenn wir etwas oder jemanden begehren." (S.104)

 

Eine positive Überraschung (z. B. eine unerwartete Gehaltserhöhung) und Vorfreude (z. B. auf einen Urlaub) setzen Dopamin frei, aber nicht nur die hier beschriebenen größeren Ereignisse, auch unbewusste Kleinigkeiten, wie eine Freundin, die man zufällig im Supermarkt trifft oder die freudige Erwartung, gleich die duftende Pasta zu verspeisen, bringen Dopamin in Schwung.

 

Der Botenstoff breitet sich über die Nervenäste in verschiedene Regionen aus, die dreierlei bewirken:

  1. Wir sprechen auf besonders interessante Situationen an und werden aufmerksam.
  2. Wir prägen uns gute Erfahrungen ein. Unser Gehirn liebt gute Gefühle und merkt sie sich.
  3. Wir tun etwas dafür, wir bewegen uns und steuern unsere Muskeln. (Bei Parkinsonkranken ist der Dopamin-Haushalt gestört, daher haben sie ihre Muskeln nicht mehr unter Kontrolle.) 

Folgende Tipps ergeben sich daraus:

1. Sorgen Sie bei sich und anderen immer wieder für kleine angenehme Überraschungen im Alltag.

Machen Sie ab und zu Ihrem Partner, Kind, Eltern, Mitarbeiter oder Chef eine kleine unerwartete Freude. Lassen Sie sich etwas originelles einfallen! Eine Freundin erzählte neulich, dass ihr Mann sie vom Bahnhof mit einem großen Plakat am Auto abholte, auf dem stand: "Ich hab Dich lieb." Dies hatte er schon einmal vor 10 Jahren zu Beginn der Beziehung gemacht. Er war so klug, diese Aktion sehr wohldosiert einzusetzen (dazu später mehr) und die alten Glücksgefühle wurden bei ihr plötzlich wieder geweckt.

 

Wie aber kann man sich selbst überraschen? In dem man Dinge bewusst etwas anders als sonst macht, neue Wege geht, fährt, seine Komfortzone verlässt.

2. "Vorfreude ist die schönste Freude" - kosten Sie es aus!

Malen Sie sich vor Ihrem inneren Auge Ihren Urlaub, den Konzertabend, das fertige Projekt, eine beendete Arbeit, die Erreichung eines Ziels mit allen beteiligten Sinnen (was sehen, hören, riechen, spüren und schmecken Sie?) aus.

3. Belohnen Sie sich bewusst!

Obwohl die Belohnung selbst, wie durch verschiedene Experimente nachgewiesen, nicht der Auslöser für den Motivationsschub ist, sondern die Erwartung einer solchen, können Sie sich überlegen, was für Sie eine "Belohnung" darstellt: eine Massage, ein schönes Essen, ein schönes Kleidungsstück etc.

4. Hängen Sie Ihre eigene "Karotte" nicht zu niedrig und futtern/verfüttern Sie sie nicht zu oft!

Wer täglich Champagner trinkt oder Kaviar isst, findet das schnell nicht mehr erstrebenswert. Wer sein Kind für jeden noch so hässlichen Malversuch lobt oder seinen Mitarbeiter für die Selbstverständlichkeit, dass er täglich seine Arbeit tut, wird weder Begeisterung noch das Bedürfnis sich weiter zu entwickeln wecken. Zu schnell gewöhnen wir uns an die tägliche "Zufuhr" und nehmen sie nicht mehr war.

5. Geben Sie Ihrer Aufmerksamkeit immer wieder neue Nahrung!

Da wir ständig Millionen von Eindrücken wahrnehmen, beschränken wir unsere Aufmerksamkeit ökonomisch auf die Wahrnehmung von Unterschieden, Andersartigem und Neuem. Dies bestätigt auch die Lernforscherin Ellen Langer in ihrem lesenswerten Buch "Kleine Anleitung zum Klugsein". Sie beschreibt in zahlreichen Lernexperimenten, dass so genannte "Klugheitsgruppen" durch den Auftrag, eine Lernaufgabe zu variieren, neue Perspektiven einzunehmen und verschiedene Schlüsse in Betracht zu ziehen, deutlich mehr Erinnerungen hatten als die Kontrollgruppen mit einfachen Merk- und Konzentrationsaufgaben.

 

Für uns als Trainer bedeutet das, Lerninhalte immer wieder mit neuartigen Reizen zu präsentieren und nützlich erfahrbar zu machen. Langer stellt fest: "Die wirksame Methode zur Steigerung unserer Aufmerksamkeitsfähigkeit besteht darin, nach Neuartigkeit in der Reizsituation zu suchen."

6. Wann immer Sie etwas lernen wollen, suchen Sie nach dem Reiz des Neuen!

Sie wollen beispielsweise einen Text auswendig lernen: Betonen Sie ihn jedes Mal bewusst anders, variieren Sie ihn an fünf verschiedenen Stellen mit einem anderen Wort, stellen Sie sich vor, Sie wären eine Mutter, die den Text liest, ein Priester, ein Maurer etc.

 

Auch langweilige Routineaufgaben werden spannender, wenn Sie Ihr Gehirn als Neuigkeitsdetektor auf die Suche schicken. Aber es wäre ein falscher Rückschluss, zu meinen, wir müssten uns ständig neue Aufgaben aufhalsen, um nicht vor Langeweile zu vergehen. Denn wer z. B. zum ersten Mal auf den Skiern steht oder Rad fährt, spürt eine sehr große Anspannung und übermäßige Aufmerksamkeitsfokussierung. Die Umgebung bietet so viel Neues, dass wir auch als geübter Radfahrer oder Skiläufer genügend interessante Stimuli erhalten. Allein die Bewegung bietet uns immer wieder neue Perspektiven. Wichtig ist eine ausgewogene Mischung aus Bekanntem und Neuem.

7. Kleine Geschenke spornen zu Höchstleistungen an!

Unerwartete Aufmerksamkeiten, Komplimente und Geschenke setzen Dopamin frei, heben die Stimmung und bewirken eine deutliche Kreativitätssteigerung bei gleichzeitiger Besonnenheit. So ist ab und zu ein Stückchen Schokolade vor den Hausaufgaben sinnvoller als danach. Einem Mitarbeiter tut es gut, wenn er einmal unabhängig von seiner Leistung, unerwartet ein Kompliment erhält ("Die Farbe steht Ihnen richtig gut!"). Sollte er danach zufälligerweise noch eine schwierige Aufgabe zu lösen haben, können Sie sicher sein, dass das Glücksgefühl darauf in Form von gesteigerter Kreativität abfärbt.

 

Fazit

Körper, Geist und Seele sind bei diesem "Lusterwartungs-Molekül" in wunderbarer Weise jeweils beteiligt: gute Stimmung bewirkt regere Benutzung der grauen Zellen und mehr Beweglichkeit. Nehmen Sie sich jetzt fünf Minuten Zeit und überlegen Sie, was Sie davon wie für sich nutzen können. Schreiben Sie uns: die kreativsten und nützlichsten Ideen veröffentlichen wir in unserem nächsten Newsletter.

Seminar zum Thema: Selbstmanagement

 
Seitenende