Die Rose

Ein Dichter schöner Verse ging tatsächlich um die Mittagszeit in Begleitung seines Freundes an einer alten Bettlerin vorbei. Stumm und unbeweglich saß die Frau da und nahm die Gaben der Vorübergehenden ohne jedes Anzeichen von Dankbarkeit entgegen. Der Dichter gab ihr zur Verwunderung seines Begleiters, der selbst immer eine Münze bereit hatte, nichts. Vorsichtig darüber befragt, sagte er: "Man müsste ihrem Herzen schenken, nicht ihrer Hand." An einem der nächsten Tage erschien der Dichter mit einer wundervollen, halb erblühten Rose. Und er legte die Rose in die Hand der Bettlerin.

 

Da geschah etwas Merkwürdiges. Die Frau stand auf, griff nach seiner Hand, küsste sie und ging mit der Rose davon. Eine Woche lang blieb sie verschwunden. Dann saß sie wieder auf ihrem Platz, stumm, starr wie zuvor. "Wovon mag sie die ganzen Tage über gelebt haben?" Der Dichter antwortete: "Von der Rose."

 
 
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