3. Entscheiden

Entscheidungsfindung

Selbständiges Handeln als Führungskraft ist ohne Entscheidungsfähigkeit nicht denkbar, denn dabei sind Risiken abzuwägen, Alternativen zu prüfen, Bedarfsanalysen durchzuführen usw. Sie lernen hier eine nützliche Entscheidungstechnik kennen – die Entscheidungsuhr. Damit können Sie Ihr Entscheidungsverhalten erkennen, gegebenenfalls modifizieren und trainieren.

 

Die Entscheidungsuhr gliedert den Vorgang vom Erkennen eines Problems bis zur Durchführung der Entscheidung, mit der das Problem gelöst wird, in zwei Phasen: Die Phase der Diagnose und Ursachenanalyse und die Phase der Problemlösung.

 

Die systematische Unterteilung in jeweils vier Denkschritte verführt manchmal dazu, dass man meint, dies dauert durch solch ein Vorgehen viel zu lange. Jedoch ist die logische Untergliederung nicht mit einer Zeitdauer verbunden, kann also ebenfalls in Sekunden vor sich gehen.

 

 

Entscheidungsuhr

Hier folgt eine Übersicht über die Phasen und Stufen .

Die vier Schritte bis zu einer vollständigen Diagnose sind:

 

1. Problem aufgreifen

Es geht darum, ob ein Problem so wichtig bzw. dringend ist, überhaupt aufgegriffen zu werden.

 

2. Daten und Fakten sammeln

Es wird ermittelt, was, wann, wo, wie lange usw. geschehen ist.

 

3. Daten analysieren, mögliche Ursachen prüfen

Abweichungen von Standardwerten oder Zusammenhänge zwischen den Fakten weisen auf unterschiedliche mögliche Ursachen z.B. auch durch Korrelationsanalysen.

 

4. Problemausmaß und -ursachen festlegen

Die Diagnose gibt einen genauen Überblick, was geschehen ist und welche Ursachen erkannt sind.

 

Erst nachdem die Ursachen feststehen, lässt sich mit ausreichender Sicherheit die richtige Lösung finden. Auch diese Phase ist in vier Schritte unterteilt:

 

5. Lösungsmöglichkeiten suchen

Kreative Wege zur Beseitigung der Mängel und Überlegung neuer Pläne kennzeichnen diese Stufe.

 

6. Alternativen bewerten

Hochrechnungen oder andere Methoden, um finanzielle, zeitliche oder persönliche Auswirkungen der unterschiedlichen Lösungsansätze zu ermitteln, bereiten die Entscheidung vor.

 

7. Entscheidung treffen

Die Wahl zwischen den Alternativen.

 

8. Entscheidung durchführen bzw. Durchführung einleiten

Konsequente Einleitung der Durchführung oder eigene Durchführung nach Plan bestimmen den Erfolg der Entscheidung wesentlich.

 

Entscheidungsfähigkeit

Die Stufen 1,4 und 7 haben in dieser Abfolge Entscheidungscharakter: Deshalb ist es wichtig, dass der für das Problem Zuständige sie selbst trifft.

Die Stufen 2 und 3 und die Stufen 5 und 6 lassen sich in Zusammenarbeit mit anderen oft sogar besser erledigen. Hier kann man den Sachverstand, die Erfahrungen und Sichtweisen anderer nutzen, um die eigenen Fähigkeiten zu ergänzen, um seine Scheuklappen zu überwinden und vor allem, um diejenigen mit einzubeziehen, die später bei der Durchführung wichtig sind.

 

Betroffene zu Beteiligten machen – gerade durch die Einbindung in den eigenen Entscheidungsprozess geschieht es auf wirkungsvolle Weise und schafft damit die Voraussetzung für Identifikation und Motivation.

Dies gilt in besonderem Maße für die Führungsentscheidungen. Wir werden darauf bei den Führungsaufgaben deshalb noch zurückkommen.

 

Da man erst während der Durchführung feststellen kann, ob die Entscheidung richtig war, nimmt man mit jeder Entscheidung eine letzte Unsicherheit in Kauf, die sich nicht völlig beseitigen lässt. Jede Entscheidung birgt ein Risiko.

 

Auf dieses Risiko reagieren Menschen sehr unterschiedlich: Dies hängt einerseits von der Höhe des Risikos ab, andererseits aber auch von der eigenen Person. Hasardeure finden sich nicht nur in Spielsälen, sondern auch in Büros und Chefetagen. Dasselbe gilt für Vollkommenheitsfanatiker, für die auch die kleinste Störung unerträglich ist. Selbstverständlich muss man großen Risiken durch entsprechend große Sorgfalt begegnen. Je nach unserer Einstellung zum Risiko neigen wir aber vielfach dazu, es zu über- oder zu unterschätzen und es dann dadurch zu bewältigen, dass wir entweder

- (zu) lange nach der richtigen Entscheidung suchen oder

- (zu) schnell entscheiden, fast in die Entscheidung flüchten oder

- uns persönlich absichern, „um auf keinen Fall Schuld zu sein“

 

Unter Umständen reagieren wir je nach der vermuteten Höhe des Risikos aber auch unterschiedlich. Unbeeindruckt von einer gewissen Sorge um eine sichere Entscheidung, von einer gewissen Angst, einen falschen Weg einzuschlagen, ist niemand, auch wenn uns diese Ängste längst nicht immer bewusst sind. Es ist oft sogar so, dass Führungskräfte, die diese Ängste nicht ins Unterbewusstsein verdrängen, sondern sich selbst eingestehen, mit ihnen besser umgehen können, weil sie dann auch ihr eigenes Verhalten in ihre Überlegungen einbeziehen können.

Entscheidungsfähig wird man nicht dadurch, dass man Risiken verleugnet, sondern dass man in der Lage ist, durch den Einsatz von Entscheidungstechniken und durch Risikoabwägung den richtigen Zeitpunkt für eine richtige Entscheidung zu treffen.

Sie können Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern helfen, diese Fähigkeit weiter zu entwickeln, indem sie mit ihnen ihre Entscheidungen planen oder nachträglich analysieren. Häufig ist das auf Dauer der weitaus bessere Weg, als alle Entscheidungen selbst zu treffen.

 
 
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